Schlaue Hechte: Räuber merken sich, welcher Köder gefährlich ist
Eine dreijährige Studie aus Baden-Württemberg zeigt, dass Hechte aus Fehlern lernen und bekannte Köder meiden können. Die gute Nachricht: Ihr Gedächtnis hält nicht ewig.
Wer schon einmal einen ganzen Tag lang den Lieblingsköder durch ein eigentlich gut besetztes Gewässer gezogen hat, ohne einen einzigen Anfasser, kennt das Gefühl: Als wären keine Hechte mehr da. Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass das oft nicht am Bestand liegt, sondern an den Fischen selbst.
Drei Jahre Forschung am Weiher
Die Fischereiforschungsstelle Langenargen am Bodensee hat drei Jahre lang am Oberen Schönebürger Weiher im Landkreis Biberach gezielt auf Hecht geangelt. Eingesetzt wurden dabei drei unterschiedliche Kunstköder. Insgesamt registrierten die Forscher 238 Attacken auf die Köder, 69 Hechte konnten tatsächlich gelandet werden. Alle Fische wurden untersucht und anschließend wieder zurückgesetzt.
Je länger beangelt, desto vorsichtiger
Das Ergebnis ist eindeutig: Mit fortschreitender Versuchsdauer sank die Wahrscheinlichkeit, einen Hecht zu fangen. Nach Einschätzung von Jorrit Lucas von der Fischereiforschungsstelle verknüpfen die Fische schlechte Erfahrungen mit einem bestimmten Ködertyp und gehen diesem später gezielt aus dem Weg. Einfach gesagt: Ein Hecht, der schon einmal am Haken hing, schaut beim nächsten Mal genauer hin.
Weniger Fänge heißt nicht weniger Fisch
Für die Gewässerbewirtschaftung ist das eine wichtige Erkenntnis. Sinkende Fangzahlen können ein Hinweis auf einen schrumpfenden Bestand sein, müssen es aber nicht. Ein Teil des Rückgangs kann schlicht darauf zurückgehen, dass die Hechte „ködererfahren” geworden sind. Fangstatistiken sollten deshalb immer mit Vorsicht interpretiert werden.
Die gute Nachricht: Hechte vergessen wieder
Ganz verloren ist die Sache nicht. Die Studie deutet darauf hin, dass der Lerneffekt nicht dauerhaft anhält. Nach einer gewissen Zeit scheinen die Fische ihre Erfahrung wieder zu vergessen, und ein zuvor gemiedener Köder wird erneut interessant.
Neu ist das Phänomen nicht
Erfahrene Angler kennen den Effekt seit Jahrzehnten. Schon früher sprach man von „blechscheuen” Hechten, gerade bei großen Fischen, die sich mehrfach vom Blinker befreit hatten. Die Studie liefert nun erstmals belastbare Daten zu dem, was viele am Wasser längst vermutet haben.
Was heißt das für uns am Wasser?
- Köder wechseln: Wenn der Standardköder an einem stark befischten Gewässer nicht mehr läuft, lohnt sich ein anderer Ködertyp, eine andere Größe oder eine andere Führung.
- Abseits der Masse: Wo alle denselben Gummifisch in derselben Farbe fischen, kann ein ungewöhnlicher Köder den Unterschied machen.
- Gewässer ruhen lassen: Wer eine Stelle eine Weile in Ruhe lässt, gibt den Hechten Zeit zu „vergessen”.
- Schonend zurücksetzen: Auch das zeigt die Studie indirekt: Ein sauber zurückgesetzter Hecht kann später erneut gefangen werden, ein entnommener nicht. Wer releast, sollte auf kurzen Drill, nasse Hände und schnelles Abhaken achten.
Quelle: Fischereiforschungsstelle Langenargen, berichtet von SWR Aktuell und Anglerboard (Oktober 2026)